Sie sind hier

Flüchtlingshilfe aus Nächstenliebe, aus Verantwortung oder als Pflicht?

Mittwoch, 4. November 2015 - 12:39

Flüchtlingshilfe als Pflicht? – Ja, auch! Europa bekennt sich dazu, Menschen, die verfolgt werden, Schutz und eine Grundversorgung zu gewähren (Genfer Flüchtlingskonvention 1951).

Warum ziehen dann einzelne Länder Zäune und weigern sich, gemäß eines Aufteilungsschlüssels (nach Wirtschaftsleistung und Bevölkerungszahl) Flüchtlinge aufzunehmen? – Weil sie nur an Europa teilhaben wollen, solange sie unmittelbar einen Vorteil daraus ziehen. Sobald eine Belastung gemeinsam zu tragen ist, ziehen sie sich hinter Stacheldrahtzäune zurück und verweisen auf eine für die jetzige Situation völlig absurde Rechtsgrundlage, die sogenannte „Dublin Vereinbarung“. Danach ist jenes Land für die Registrierung der Flüchtlinge zuständig, wo der Flüchtling erstmals Europäischen Boden betritt. Das ist eine gute Regelung für eine überschaubare Anzahl von Flüchtlingen. Als diese Regelung getroffen wurde, hat jedoch niemand derartige Flüchtlingsströme für möglich gehalten. Sich jetzt darauf zu berufen und Schutzsuchende mit Wasserwerfern, Pfeffersprays und Prügeln abwehren zu wollen, ist nicht nur zynisch sondern kriminell.

Wer die Schließung einer Grenze fordert und sie sichern will, nimmt damit auch Gewalt gegen Schutzsuchende in Kauf. Das ist aber dann der Beginn des Endes eines gemeinsamen Europas…

„Notwendig“ im wahrsten Sinne des Wortes sind Friedensmaßnahmen in den Krisenländern, damit die Menschen in ihrer Heimat verbleiben können.

„Notwendig“ ist eine massive Unterstützung der Nachbarländer der Krisenregionen, damit dort die Flüchtlinge einen Lebensraum und Arbeitsmöglichkeiten erhalten.

„Notwendig“ sind Asylbehörden an den EU Außengrenzen, wo rasch entschieden wird, wer Asyl bekommt und dann legal und ohne kriminelle Schlepper nach Europa kommen darf.

„Notwendig“ ist schließlich ein fairer Aufteilungsschlüssel innerhalb Europas.

Flüchtlingshilfe aus Verantwortung? – Ja, auch! Ich bekenne mich zu einem solidarischen, menschenwürdigen und daher auch lebenswerten Europa. Ich übernehme auch gerne meinen Teil der Verantwortung dafür.

Wir in Zeiselmauer-Wolfpassing beweisen gerade diese Verantwortung mit der Aufnahme von Flüchtlingen in unserer Gemeinde, zwei Familien sind schon in eine Privatunterkunft eingezogen und der MobiKi (leerstehender mobiler Kindergarten beim Seniorenwohnhaus) der Gemeinde steht auch bereits zur Verfügung.

Flüchtlingshilfe aus Nächstenliebe? – Ja, sicher, aber auch, weil man selbst Sinn und Freude erfährt, weil man mit anderen Helfern gemeinsame Sache macht und neue Bekanntschaften und Beziehungen entstehen.

Ich engagiere mich bei der Flüchtlingshilfe in ZeiWo aus obigen Gründen und weil ich dankbar bin, in Österreich und nicht in Syrien geboren zu sein, weil ich gerne mit Menschen zusammenarbeite und ich gerne meinen kleinen Beitrag für mehr Menschlichkeit in dieser Welt leisten will.

Ich freue mich und danke dafür, dass sich ca. 80 Helferinnen und Helfer spontan bereit erklärt haben, bei „ZeiWo hilft“ mitzumachen und sich nun zum Wohle der Asylwerber als auch zum Wohle der Gemeinde engagieren. Wenn auch Sie an der Integration unserer neuen Gäste mitwirken wollen, dann finden Sie Näheres unter zeiwo.hilft.at oder Sie sprechen mich oder einen der Helfer an.

Mit besten Grüßen

Christoph Wychera